Viele Wege, ein Ziel – Start Osterkonvoi

… und am Ende steht immer die gleiche erschreckende Erkenntnis:

Nichts hat sich geändert!

Bericht von Matthias Aufinger, 10.4.2017

Am Freitag, dem 7.April, startete der Graz:Spendenkonvoi erneut zu einem Einsatz an der Balkanroute, dieses Mal ist unser Ziel Serbien, wo tausende Schutzsuchende in teils offiziellen aber auch inoffiziellen wilden Lagern, den sogenannten Dschungeln, hausen müssen.

Keine Perspektive, wenig bis gar keine Versorgung, Spielball der Politik…

Den ersten Tag in Belgrad nutzten wir, um uns mit Volunteer Gruppen zu vernetzen, uns zu orientieren und einen Überblick zu verschaffen.  Unser Fokus lag dabei auf dem Dschungel hinter dem Bahnhof nahe dem Zentrum von Belgrad. Schnell wurde klar, an welchen Dingen es mangelt – Hygiene, medizinische Versorgung, Essen, Kleidung, Unterkunft.

Traurigerweise sind die Bilder, die wir sehen, die Probleme, die es gibt, und die Sorgen der Menschen immer die gleichen! Egal ob auf Lesbos, in Idomeni oder jetzt in Belgrad. Im Dschungel von Belgrad hausen rund 1100 Personen unter widrigsten Umständen. Aufgrund der ständigen Neuankömmlinge und des versuchten Weiterkommens ändert sich Zahl der Schutzsuchenden täglich.

Besonders erschreckend ist, dass die Hälfte der Flüchtlinge Minderjährige sind!

Burschen, die eigentlich in der Schule sitzen müssten, eine Kindheit genießen und eine Zukunft vor sich haben sollten, sind dazu verdammt, ohne Perspektive, ohne Betreuung und vor allem ohne Familie in Serbien festzusitzen. Als Notquartier dienen alte verlassene Baracken hinter den Gleisen. Der Müll türmt sich in und um die Gebäude, und obwohl es fast tägliche Säuberungstrupps gibt, wird man nicht Herr der Lage. Erbärmlicher Gestank in den Baracken, Ratten und Krankheiten sind überall zu finden. Aufgrund der kaum vorhandenen Sanitären Einrichtungen ist auch die Krätze ein allgegenwärtiges Problem. ALLE Duschen und die Waschstellen zusammengerechnet kann man an weniger als einer Hand abzählen… und dies für über 1000 Menschen!

Unvorstellbar, wie man solche Bedingungen über viele Monate lang ertragen kann.

Auch hier stemmen nahezu die ganze Situation private Volunteers und Gruppen. Viele unterschiedliche Gruppen versuchen die Situation der Menschen zumindest etwas zu verbessern und in die tristen Tage ein wenig Beschäftigung zu bringen. „Share the Love“ – ein Slogan unter Volunteers beschreibt auch hier die Zusammenarbeit sehr gut. Im Besonderen mit den Soulwelders & BelgrAid, 2 Gruppen, die schon seit längerem vor Ort sind, arbeiten wir momentan zusammen, um auch unsere Zeit & Ressourcen hier möglichst sinnvoll einzusetzen.

In den nächsten Monaten wird von Volunteers vermehrt mit Neuankömmlingen gerechnet. Seit 20 Monaten wird vielerorts immer nur reagiert, improvisiert und nachgearbeitet. Dieses Mal versuchen sich Volunteers auf die zu erwartende Situation vorzubereiten und bauen ein großes Warehouse auf. Dieses soll als Anlaufstelle für Spendenlieferungen und die Organisation deren Verteilung dienen, sowie eine Großküche beinhalten, um die mangelnde Versorgung der Schutzsuchenden mit Essen zu verbessern.

Sortieren, Aufbau der Kücheninfrastruktur und Organisation der anstehenden Projekte standen heute auf unserem Programm. Am morgigen Tag stehen unter anderem die letzten Vorbereitungen vor der Inbetriebnahme der Mobile Showers auf dem Plan. Durch dieses Projekt von Soulwelders, welches auch wir unterstützen, bekommen die Menschen die Möglichkeit, sich zu duschen und im Anschluss frische Unterwäsche, Socken & Shirts anzuziehen, um dadurch die durch Milben ausgelöste Krätze abzuschwächen.

Auch hier lesen wir Nachrichten und erfahren von Aussagen zuhause, von Bürgern, denen anscheinend der Einblick in diese Situation fehlt. Wir sind nicht besser als andere, wir sind nicht schlechter, aber wir glauben an die Integrität und die Würde der Menschen! Sowie tausende Menschen waren & sind auch wir nach wie vor tagtäglich freiwillig, unbezahlt und in unserer Freizeit aktiv, um für diese Überzeugung einzustehen!

Wir klatschen nicht, wir schreien nicht und schon gar nicht sind wir naiv – wir arbeiten hart um diese Werte zu leben, von denen viele momentan immer nur reden!

 

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