Fährausfall am Hafen. What a night!

Bericht von Nicola Baloch (28.12.2015)

2:30. gerade heimgekommen nach einem Tag voller Eindrücke auf unserer Tour in den Norden der Insel und einem unglaublichen Abend im Einsatz. Ersten Eiter auf meinen entzündeten Mandeln entdeckt. Note to self: Morgen Früh first stop zum Arzt!
Wir teilen uns auf. 6 von uns gehen ins Camp nach Moria und Matthias und Marlene zuerst zu den Marokkanern in deren Camp an den Strand. Wir setzen uns zu ihnen ans Feuer, reden mit ihnen teilen Essen und trinken gemeinsam ein Bier. Ihre Bitte ist, der Welt zu erzählen, wie es ihnen geht. Stuck hier ohne Optionen und ohne Perspektive daheim in Marokko. Sie haben uns eingeladen mit ihnen gemeinsam Silvester zu feiern und wir werden die coolste Sylvester Party ever organisieren. Wir versprechen ihnen Holz zu besorgen für ihr Feuer in der Nacht und wieder zu kommen. Dann wollen alle noch „family pictures“ mit uns und lassen uns nur ungern gehen.
Bei einem Einkauf treffen wir Amir, einen Volunteer aus England. Er und seine Freundin aus Deutschland versorgen heute Abend die aufgrund eines Fährausfalls am Hafen gestrandeten rund 200 Menschen, die die Nacht hier im Freien verbringen. Wir bieten unsere Hilfe an und verteilen all unsere Decken Zelt und Schlafsacke geben Nüsse aus, helfen Tee ausschenken. Als wir nichts mehr haben, helfen wir zig Leuten die Iglozelte aufzubauen reden mit ihnen schenken Medizin her und verteilen noch ein paar Tschick. Ein Mann fragt mich was er für mich tun kann weil wir so viel für sie alle tun. Mir fällt nichts ein, „stay safe“ sage ich zu ihm, gebe ihm die Hand und wir lachen zusammen. Mittlerweile ist es Mitternacht und eine Frau kommt mit ihrer einjährigen kranken Tochter die weint und fiebert und Amirs Freundin Nephelia organisiert den Transport für sie und das Kind zum Notarzt ins Camp. Eine letzte Fuhre Decken wird versprochen und wir warten weiter. Mitten im Hafen steht ein rundes aufgelassenes Hallenbad, in dem der Dreck sich türmt in das sich aber 100 Leute hineingelegt haben. Wir schauen hinein, überall liegen Menschen herum. Wir sehen einen kranken Mann, der nicht mehr ansprechbar ist, zittert und Schmerzen hat. Wir geben ihm zwei Schmerztabletten und bringen ihm noch eine der nachgekommenen kostbaren Decken. Es geht ihm ein bisschen besser, er wird die Nacht überstehen, nicht aber die Reise wenn er nicht vorher noch zum Arzt kommt. Ich übrigens auch nicht, wenn ich jetzt nicht schlafe und mir morgen nicht Meds besorge. Also, Gute Nacht ♡

 

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