Day 7 New Years Day auf Lesbos.

Bericht von Nicola Baloch (2.1.2016)
Der Tag beginnt in der Kleiderausgabe. Eine Ladung Kinderanoraks sind gekommen. Ich schnappe mir einen Arm voll und gehe durchs Lager. Es schneit auf Lesbos bei null Grad. Innerhalb einer Stunde finde ich 10 Kinder die nur Pullis anhaben und bin meine Jacken los. Ein süßes Mädchen aus Afghanistan spricht mich an, ob ich nicht noch einen für ihre kleine Schwester hätte. Ich gehe mit ihr zum Familienhauszelt. Sie sind zu viert unterwegs schon registriert und wollen bald aufbrechen. Die Kleine steht im Zelt nur mit einem dreckigen tshirt und einer leggins bekleidet und schaut mich gross an. Sie ist drei und viel zu dünn. Ich erkläre den Eltern wie immer in Zeichensprache dass ich mit der älteren Tochter was zum Anziehen hole und auch Frühstück. Das Problem ist dass die Kleiderausgabe im Volunteers Camp ist und die Leute im anderen Camp oft nichts davon wissen. Im Kleiderzelt suchen wir gemeinsam eine volle Ausstattung Winterkleider in der richtigen Größe, Schuhe und Hygiene Artikel und einen großen Rucksack. Auf dem Rückweg gehen wir beim Essenszelt vorbei und nehmen noch vier Portionen Milchreis und Bananen mit. Ich kaufe eine Packung o-saft und wir bringen alles zurück ins family tent. Mama freut sich und die kleine hat wieder bessere Überlebenschancen. Dann will ich heimgehen und mich hinlegen weil ich noch immer krank bin. Aber ich bekomme einen Anruf und fahre ins Silver Bay Caritas Hotel um nach „meiner“ Familie zu sehen. Die Familie wurde hinausgeshmissen Weil der Vater der vier Kinder Alk von der Bar gestohlen hatte, sich betrunken hatte und dann ungut wurde. Die Frau war mit Sanela einen Tag im Spital. Ihr Baby war schon tot und sie hatte einen Abort. Danach War es die Herausforderung die Familie im Camp wieder zusammen zu finden, die Mutter zu registrieren. Im Endeffekt hat Sanela sie mitgenommen nach hause und heute wollen sie weiter. Ein Wahnsinn, wo die Frau frisch operiert ist. Aber sie haben Angst. Angst davor dass auch sie nicht mehr über die Grenzen kommen. Ich habe sie gebeten mich anzurufen, wenn sie in Österreich sind. Die Damen im Caritas Hotel sind super nett. Sie bitten mich mich im Camp umzusehen und Familien zu identifizieren die A schon registriert sind und B vulnerable sind und sie zu ihnen zu bringen. Das ist gar nicht so leicht weil die meisten weiter wollen. Ich finde eine Familie aus Syrien mit drei kleinen Kindern und vier Erwachsenen. Sie steigen ALLE in mein Auto ein und ich bringe sie ins Hotel, wo sie erstmal zwei Nächte verschnaufen können. Für eine andere Oma aus Syrien die wieder einmal nix zum Anziehen hat besorge ich noch einen langen Mantel und eine Tasche voll warmer Kleidung. Sie ist mit ihrer Familie unterwegs. Dann nutze ich die Gelegenheit für mich und gehe zu den Medicins sans Frontiers. Eine nette Ärztin bestätigt meine Angina tauscht meine Antibiotika gegen andere, bessere. Sie gibt mir noch Antihystamine dazu wegen der Entzündung und und dem Schnupfen, eine Kombination von
Ibuprofen und Paracetamol und Salzwasser zum Spülen der Nase. Meine Lunge und Bronchien sind frei. Sie meint das wichtigste ist gut essen und Ruhe, beides wird gleich eingelöst: Abendessen im Restaurant mit Gemüsesuppe, Moussaka und Joghurt dann ab ins Bett und eine ganze Nacht Schlaf. Juhu. Marlene ist schon aufgestanden. Heute fahren wieder zwei Fähren zur gleichen Zeit an verschiedene Orte. Athen und Kavala. Wir sind am Hafen und schenken Tee aus. Von 7-9. Danach wieder Camp Arbeit. Ich geh erstmal inhalieren und duschen und frühstücken. ♡

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