Presseaussendung Novemberkonvoi Serbien 2017

Graz:Spendenkonvoi hilft in Šid, Serbien.

17.11. – 23.11.2017

Vom 17. – 23.11. fährt der Graz:Spendenkonvoi wieder nach Serbien, um unserem Partner vor Ort beim Aufbau des Social Shops, bei Arbeiten im Lager und Waschsalon oder bei der Verteilung von Wintersachen in den Flüchtlingscamps zu helfen, denn der Winter hat Einzug gehalten. Auch werden wir dringend benötigte Sachen, wie Unterwäsche, Hygieneartikel und ähnliches, wofür der Graz:Spendenkonvoi auf seiner Website sowie der Facebook-Seite einen Spendenaufruf gestartet hat, kaufen.

Aus Erfahrung von unserem letzten Einsatz im September 2017 wissen wir, dass sich an der schlechten Versorgungslage der Flüchtlinge wenig geändert hat. Die Aussichten auf einen positiven Bescheid im Asylverfahren in Serbien sind gegen Null, und 99% der in Serbien gestrandeten Flüchtlinge haben keine Zukunftsperspektive in Europa.

Die „freiwillige“ Rückkehr oder das Warten auf die unfreiwillige Deportation scheinen die einzigen Angebote zu sein. Wenig verwunderlich, dass viele Menschen mangels Perspektive nicht in den Camps ausharren wollen, sondern auf eigene Faust versuchen, die lückenlos überwachte Grenze zu überqueren. Hierfür schlafen in Sid rund 250-300 Flüchtlinge in Squats (aufgelassenen Fabriksruinen oder Rohbauten) bzw. im Freien in den Feldern und Wäldern und versuchen immer wieder, nach Kroatien zu kommen. Jeder ihrer Versuche, die lückenlos überwachte EU-Außengrenze zu überqueren, endet unweigerlich mit dem Aufgriff durch die kroatische Grenzpolizei, systematischer Gewaltanwendung durch Schläge und anschließender Rückschiebung nach Serbien.
Egal wie man über diese Menschen und das ihnen verwehrte Recht auf ein faires Asylverfahren denkt, Fakt bleibt, dass sie ein Menschenrecht auf Leben haben und man sie nicht verhungern oder erfrieren oder an medizinischen Komplikationen sterben lassen kann.

 

So denken zumindest Organisationen wie Ärzte ohne Grenzen und unsere Partner Freedom of Choice-Truckshop, die vor Ort tätig sind. Diese schutzsuchenden Menschen haben keine Besitztümer, nur die Kleidung, die sie am Leib tragen, teilweise keine Schuhe und auch keine Decken oder andere Wärmequellen. MSF- Ärzte ohne Grenzen leisten vor Ort ärztliche Notversorgung für kranke oder durch die Polizei verletzte Flüchtlinge. In Kooperation mit MSF werden ab sofort von unseren Partnern wöchentlich UNHCR- Decken an alle ausgegeben, die in weiterer Folge wieder eingesammelt, gewaschen und getrocknet und wieder ausgegeben werden. Die Decken stellt MSF, sie zahlen auch die Betriebskosten (pro Decke 2€ für das Recycling statt Neupreis von 14€). Beim Meeting mit MSF und bei der ersten Ausgabe durften wir dabei sein.

 

Im September 2017 versuchten wir daher bereits tatkräftig bei der Errichtung von sogenannten „social shops“ zu unterstützen. Der neuerliche Einsatz soll diese Bemühungen weiterführen.

Den „Social-Shop“ kann man sich wie einen Second-Hand Laden vorstellen, in dem bedürftige Menschen Kleidung Winterschuhe, Hygieneartikel wie Seifen, Shampon, Binden, Pampers, etc. und manchmal auch Grundnahrungsmittel (derzeit Reis) „gratis einkaufen“ können. Wichtig sind neben der Versorgung bedürftiger Menschen die Aspekte der Wahlfreiheit, der würdevollen Behandlung und der sozialen Einbindung.

Der Graz:Spendenkonvoi ist ein Verein für den menschlichen Umgang mit Schutzsuchenden. Im Sommer 2015 von einer Gruppe unabhängig ehrenamtlich Tätiger als Initiative gestartet entwickelte sich der Graz:Spendenkonvoi zu einem Projekt, an dem mehr als 1000 Menschen mithalfen und organisierte seither mehr als 50 Hilfskonvois an die Hotspots der Flüchtlingsroute. Auch die Integration der in der Steiermark lebenden Flüchtlinge in den Asyl-Quartieren ist uns ein Anliegen und Teil unseres ehrenamtlichen Engagements. Wir waren bereits auf Lesbos, in Idomeni und in den Flüchtlingscamps rund um Thessaloniki sowie in den Transitlagern von Röszke, Rigonce, Brezice, Bregana, Nickelsdorf, Spielfeld und Graz und konnten dank tatkräftiger Unterstützung vieler Freiwilliger wertvolle Soforthilfe leisten.

Kommenden Freitag, dem 17.11.2017 starten wir wieder einen Konvoi zur gemeinsamen Unterstützung in der Hilfe für Flüchtlinge, die in den Lagern in Serbien gestrandet sind und dort wohl auch den bitterkalten Winter verbringen werden..

Was im vergangenen Jahr täglich in den Schlagzeilen war, ist nun weitgehend in den Hintergrund getreten. Es drängen sich keine hunderte Flüchtlinge vor unseren Grenzen und es füllen sich keine Transitlager in unseren Städten. Die Fluchtrouten haben sich mit der Schließung der Balkanroute und dem EU-Türkei Deal verlagert. Für die Menschen aus Afghanistan und Pakistan gibt es kaum eine Chance, legal in die EU-Länder einzureisen, am  EU-Relocation Programm können sie nicht teilnehmen. Gewalt und Willkür der Taliban herrschen in den Krisenregionen nachwievor, und täglich werden Zivilisten bei Terroranschlägen oder Angriffen der Regierungstruppen und ihrer Verbündeten getötet.

Trotz nicht gegebener Sicherheit für Leib und Leben schieben Deutschland, Schweden und auch Österreich Menschen nach Afghanistan ab.

Andere Themen drängen sich in unserer schnelllebigen Informationsgesellschaft nach vorne und die Not der mehr als 60.000 Flüchtlinge, die nach wie vor in Griechenland gestrandet sind und noch tausender Weiterer, die sich auf der Balkanroute befinden, ist keinen Aufschrei mehr wert. Aus den Augen, aus dem Sinn. Tatsache jedoch ist: sie sind noch da und auch wir HelferInnen sind noch da! Wir möchten diesen Menschen zeigen, dass sie nicht vergessen sind, damit sie nicht ihre Würde verlieren und die Hoffnung nicht stirbt. Wir möchten ihnen ein Gesicht geben, um damit den Menschen in unserem Land zu zeigen, was passiert, nicht weit entfernt.

Derzeit laufen die Vorbereitungen sowie ein Spendenaufruf über unsere Website www.spendenkonvoi.com sowie auf der Facebook Seite und in der facebook Gruppe. Wir bitten um Ihre Unterstützung, indem Sie von unserem ehrenamtlichen Engagement berichten und unseren Spendenaufruf in Ihrem Medium teilen.

Gerne berichten wir auch kontinuierlich von unserem Hilfseinsatz in Form einer Serie oder Interviews.

Wir bitten um Kontaktaufnahme unter office@spendenkonvoi.com

 

Mit herzlichen Grüßen,

 

Nicola Baloch               Marion Bock

Obfrau                         Verantwortliche Organisatorin des November Konvoi nach Serbien

 

Background zur aktuellen Situation vor Ort in Šid, Serbien.

Gestrandet beim Versuch, nach Europa zu kommen, in desolaten Lagern einen Steinwurf von der magischen Grenze zu Kroatien entfernt:  Adasevic mit rund 1200 Menschen, ein aufgelassenes, heruntergekommenes Motel an der Autobahn mit einem Garten voller Großraumzelten und Principovac mit weiteren 450 Menschen, ein aufgelassenes Kinderspital, ebenfalls mit Großraumzelten im Garten.

Beide Camps werden vom serbischen Kommissariat geführt und kontrolliert. Das Kommissariat ist die serbische Polizei, gefürchtet unter den Flüchtlingen, welche von den Betreibern pauschal als Taliban oder Terroristen bezeichnet werden.

2 Familien (8-10 Menschen) pro Zimmer a 12m2, für Männer ist es das Großraumzelt (a 50-100 Personen auf Pritschen), keine Kleiderausgaben, keine medizinische Versorgung (bis auf Schmerztabletten), kaum Versorgung mit Hygieneartikeln (eine kleine Seife und eine kleine Flasche Schampon pro Familie alle 14 Tage), keine Schul- oder sonstige Bildung für die Kinder, kaum Beschäftigungsmöglichkeiten für die Erwachsenen, keine Busanbindung, um in den nächsten Ort Šid zu kommen (2 stündiger Fußmarsch), keine psychosoziale Betreuung, keine Dolmetscher und 2x pro Tag mieses Essen. (z.B. Nudeln lieblos in Vegetawasser gekocht ohne Sauce).

Das Fatalste ist die Hoffnungslosigkeit. Die Menschen wissen, dass sie sich in einer Sackgasse befinden, in welcher die momentane Situation kaum erträglich ist, es aber gleichzeitig kein Vor und kein Zurück gibt. Auch wenn wir die Lage der Menschen nicht grundsätzlich verbessern können, können wir Dank Privatspenden und persönlichem Engagement gemeinsam mit unserer Partnerorganisation „Freedom of choice – Truckshop“ und beherzten Volunteers doch die triste Versorgungslage durch die Errichtung von „Social Shops“ in den Lagern wesentlich verbessern.

So bescheiden diese Hilfe auch ist, so wichtig ist sie für die Menschen. Solange es keine legale Möglichkeit gibt, in die EU zu kommen, um dort um Asyl ansuchen zu können, und solange sich an unseren Grenzen eine humanitäre Katastrophe entfaltet, werden wir im Sinne der Humanität und der Mitmenschlichkeit weiter versuchen, Schutzsuchenden zu helfen und sie zu unterstützen, da wo staatliche Organe dies verabsäumen.

 

Spendenkonto:

easy business

Graz:Spendenkonvoi

IBAN: AT71 1420 0200 1096 3541

BIC: EASYATW1

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