Bosnienkonvoi – Situationsbericht – Oktober 2019

Am Samstag, 12.10 fuhren wir voll beladen mit Euren Sachspenden nach Bihac, Bosnien. Schon bei der Ankunft fielen uns die Gruppen von Flüchtlingen auf, welche bepackt mit Rucksäcken und Decken auf den Straßen unterwegs waren.

Wir luden zunächst die Sachspenden aus und fuhren danach mit unseren zwei Partnerinnen Anela und Nuna zum Supermarkt Robot, wo wir Dank Eurer Spendengelder einen Großeinkauf an Lebensmitteln bestehend aus Reis, Öl, Milch, Bohnen in Dosen, Zucker, Gewürze sowie Obst und Gemüse machen konnten. Abends trafen wir uns noch mit Dirk Planert und tauschten uns mit ihm über die Lage in Vučjak und Bihać aus.

Zusammenfassend kann man sagen, dass freiwilliges Engagement in Bosnien nicht länger erwünscht ist und es VoluntärInnen bei Strafandrohung verboten ist Flüchtlingen zu helfen. Das IOM Camp Bira ist nur halb voll, da Flüchtlinge, wenn sie das Camp verlassen und versuchen mittels the game über die Grenze in die EU zu kommen nach Rückschiebung durch die kroatische Polizei nicht mehr im Camp aufgenommen werden. Was Ihnen bleibt, ist in Abbruchhäusern, in Vučjak oder im Freien zu übernachten und dies bei ständig sinkenden Temperaturen. Hinzu kommen die systematischen Verletzungen durch die kroatische Grenzpolizei , welche beim Grenzübertritt aufgegriffene Flüchtlinge systematisch verletzt und beraubt.

Die bosnische Polizei in Bihać sammelt immer wieder Flüchtlinge von den Straßen Bihaćs auf und bringt sie nach Vučjak , wo sie ohne ausreichende Versorgung in Zelten am Boden schlafen. Wie bereits mehrfach berichtet, fehlt es in Vučjak an allem und das Camp müsste aus humanitären Gründen längst geschlossen werden. Als wir in Bihać waren, war es noch warm und ein wunderschöner Herbsttag, aber der nächste sehr kalte bosnische Winter kommt bestimmt und das in nur wenigen Wochen.

Die politisch Verantwortlichen wollen nicht auf die katastrophale Lage reagieren und es bleibt zu befürchten, dass die Flüchtlinge auf der Strecke bleiben werden und es zu Toten kommen wird.

Am zweiten Tag auf der Rückfahrt haben wir noch einen Zwischenstopp in Velika Kladusa eingelegt und dort eine alleinerziehende Großmutter mit ihrem 8-jährigen Enkelsohn besucht, welche ohne jegliche Unterstützung in einem Rohbau lebt und nur recht und schlecht über die Runden kommt. So sammelt sie etwa Pilze und Kastanien und verkauft sie (zum Spottpreis), um mit dem Geld Lebensmittel einkaufen zu können. Dada und die bosnische Community in Graz helfen ihr nach Kräften und so konnten wir ihr unter anderem zahlreiche Sachspenden übergeben, und noch einen Großeinkauf an Lebensmitteln mit ihr machen, damit sie für die nächste Zeit versorgt ist. (Nicola Baloch 15.10.2019)

Und so sieht es übrigens aus, wenn die Polizei Schutzsuchende einsammelt und auf die Mülldeponie bringt (am 14.10.2019): http://www.uskinfo.ba/vijest/video-snimak-o-kojem-ce-se-pricati-pogledajte-kako-policija-sprovodi-grupu-od-hiljadu-migranata-na-vucjak/64124?fbclid=IwAR2os-ijt_ayr0f2k00QRHdviZNqmftjdAsFHr7gxS472IoolWVouEugl0c

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