Angekommen – Portrait 10

Von Mirwais M.

Nach vielen Problemen und Durchwanderungen vieler Länder, fanden wir Österreich als jenes Land, in dem friedliebende Menschen leben, die die Menschenrechte respektieren, in dem es einen hohen Lebensstandard gibt und in dem es ein geregeltes Staatenwesen mit Rechten und Gesetzen gibt. Wir bevorzugen es in Österreich zu leben, in dem es Menschlichkeit und Respekt vor dem Leben gibt, was für uns höchste Priorität hat.

Die Geschichte unserer „Reise“

Wir kamen über die türkische Grenze nach Griechenland. Es dauerte zwei Monate bis wir in Griechenland ankamen. Wir wurden mit anderen Flüchtlingen in Containern „gehalten“ und behandelt wie Gefangene, wir durften nicht einmal unseren Eltern Bescheid geben, dass wir noch am Leben sind.

Schließlich durften wir weiterreisen, da mein Kind erkrankte. Wir passierten die mazedonische Grenze nach Serbien und weiter nach Ungarn. Die Polizei in Ungarn war sehr gewalttätig, und sie schlug sogar die Flüchtlinge. Wir blieben für vier Tage in Ungarn, räumlich getrennt. Mein zwei Jahre alter Sohn war bei mir und seine Mutter 48 Stunden weit entfernt. Ich konnte ihm keine Nahrung geben, da uns dort keine Mittel zur Verfügung gestellt wurden. Wir lebten auf so engem Raum, dass wir nur sitzen konnten. Schlafen war unmöglich. Nach Frage um Hilfe bei den Aufsichtsorganen bekamen wir nur zu hören: „Warum seid ihr in Ungarn?“

Job Background in Afghanistan

Wie in meinen Dokumenten ersichtlich, war ich für die Asia Fundation (TAF) in unterschiedlichen Positionen tätig. Danach begann ich privat für die ISAF im Bereich der Logistik zu arbeiten. Ich trug (transportierte?) ihre Güter und private Gegenstände für das Personal und Geschenke für deren Eltern.

Während dieser Tätigkeit für die ISAF erhielt ich einen Drohanruf von einer unbekannten Nummer. Ich sollte die Tätigkeit sofort einstellen. Ich nahm es nicht ernst und arbeitete weiter. Nach einigen Wochen folgte der zweite Anruf von derselben Person mit harschem Ton. Er fügte außerdem an, sollte ich weiter für die Ungläubigen arbeiten, würde ich abgeschlachtet werden.

Ich bekam es mit der Angst zu tun und informierte die nächste Polizeidienststelle. Die Polizei riet mir, meine SIM Karte zu wechseln und nicht mehr in die Provinz zu fahren.

Einer meiner wichtigsten Aufträge führte mich aber in die Provinz zwischen Kabul und Logar. Im September 2015 folgte ich dem Lieferwagen in meinem Privatwagen. Ich war ca. 500 Meter hinter dem Lastwagen, als dieser von Taliban angegriffen wurde. Ich hielt mein Auto an, schlug sofort eine andere Richtung ein und informierte die Highway Polizei. Nach einer Stunde fuhr ich gemeinsam mit der Polizei an den Anschlagsort. Es war nichts mehr übrig, der Lastwagen brannte und der Fahrer blieb bis heute verschwunden.

Schlussendlich wurden meine Kinder Heela und Ahmad Hilal am Heimweg von der Schule fast in einen 4×4 Toyota 4runner gezerrt und entführt. Doch sie begannen laut zu schreien und so wurden Anwohner und Geschäftsbesitzer auf das Geschehen aufmerksam und liefen in Richtung des Wagens. Die Entführer ließen von ihrem Plan ab und flüchteten.

Diese Vorkommnisse ließen uns überstürzt, ohne Planung und ohne Idee wohin, das Land verlassen.

Österreich wurde unsere zweite Heimat

Meine Kinder können heute wieder die Schule besuchen. Zwar mit einem Jahr Verspätung, aber in einer friedlichen und spannungsfreien Umgebung. Sie haben recht erfolgreich die erste Klasse absolviert und sind nun seit September 2017 in der zweiten Klasse. Glücklicherweise sind beide sehr interessiert, lieben das strukturierte Schulwesen, die Regeln und schätzen sich glücklich, so hingebungsvolle Lehrer zu haben, wie auch nette und freundliche Mitschüler.

Wir alle sind uns einig und bevorzugen Österreich und seine Gesellschaft als zweite Heimat. Wir versuchen auch so schnell wie möglich Deutsch zu lernen. Wir haben bereits einige Zeugnisse aus Deutschkursen und Empfehlungsschreiben auf Deutsch von unseren österreichischen Freunden, was zeigt, dass wir am Leben in Österreich teilhaben und so rasch wie möglich weiter Bildung machen.

Aktivisten in Österreich

Ich Arbeite Seit März 2019 bis jetzt in einem Firma.

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